Einige Gedanken zur Kirchenentwicklung (Pfingstmontag zu "Zeiten Corona")

 
Diese Gedanken wurden im Pfingstmontaggottesdienst gleich nach dem Evangelium vorgetragen und spiegeln - natürlich - die "Corona"-Zeit wieder, in der sie vorgetragen wurden. 
Der entsprechende Text aus dem Johannes-Evangelium (Joh 15,26- 16,3.12-15) kann zum Beispiel >hier nachgelesen werden, der letzte Satz greift die Lesung aus dem Buch Ezechiel auf (Ez 36,16-17a.18-28), >hier.
 
Wer erinnert sich noch an die Diskussionen vor Corona um die sogenannte Kirchenentwicklung 2030?
Immer weniger Priester, immer weniger Gemeinde, 2030 stehen wir vor fast leeren Kirchen. Sollten dann nicht die ganzen Seelsorgeeinheiten  - vorsichtshalber - zu wenigen großen neuen Kirchengemeinden zusammengeschlossen werden? Um die Verwaltung aufrechterhalten zu können und die wenigen Priester besser zu verteilen? Aber was passiert dann mit dem Gemeindeleben, wird das noch aufrecht erhalten werden können? Was wird aus den Eucharistiefeiern? Werden wir diese noch feiern können? 
 
Und dann kam Corona und die Kirchen leerten sich. Keine Gottesdienste mehr, keine Eucharistiefeiern. Das Gemeindeleben stillgelegt, das Bernhardushaus geschlossen.
Tomáš Halík, ein tschechischer Priester und Buchautor, schreibt in einem kleinen Aufsatz zu diesen leeren Kirchen, er fragt sich: "… ob die Zeit der leeren …  Kirchen … nicht einen warnenden Blick durch das Fernrohr in eine verhältnismäßig nahe Zukunft darstellt: So könnte das in ein paar Jahren in einem Großteil unserer Welt aussehen."
Die vergangenen Wochen, ein Blick wie durch ein Fernrohr in unsere nahe Kirchenzukunft.
 
Was machen wir jetzt damit? Einfach zur Normalität zurückzukehren versuchen - die wir ja tatsächlich noch gar nicht erreicht haben? Weder hier noch an vielen Orten unserer Seelsorgeeinheit, wie z. Bsp. oben im Haus Edelberg.
 
Im Evangelium haben wir eben gehört, wie Jesus uns einen Beistand verspricht, den Geist der Wahrheit. Dieser Geist wird Zeugnis über Jesus ablegen - wie ja auch die Jünger Zeugen sein sollen. Zeugen der ganzen Wahrheit, die ihnen der Geist aufschließen wird.
Und auf der anderen Seite - das haben wir auch gehört - wie mörderisch es sein kann, zu meinen, man sei im Besitz der Wahrheit. Und Gott damit einen heiligen Dienst zu tun, im Namen eben dieser Wahrheit. Auch davon spricht Jesus.
Viele Zeilen später im Johannes-Evangelium wird Jesus vor Pilatus stehen, als Zeuge der Wahrheit. Und Pilatus wird ihn fragen: "Was ist Wahrheit?"
Vielleicht typisch, dass diese Frage von einem Politiker kommt.  
 
Es ist die falsche Frage, sie geht am Wesentlichen vorbei: Nicht "was ist Wahrheit", sondern: Wie halten wir das Zeugnis der Wahrheit lebendig? Wie werden wir Zeugen diese Wahrheit? Eben Zeuge dessen, was Jesus getan hat, was er gesagt hat. Denn er verkörpert diese Wahrheit, er ist diese Wahrheit.
 
Dann geht es nicht um mich und nicht um das, was ich möchte, was ich brauche oder was ich für wahr halte. Sondern es geht darum, wie kann ich Zeuge Jesu sein für die Andere oder den Anderen neben mir, Zeuge eben Seiner Wahrheit, die Liebe ist.
Also darum: Wie können wir einander und füreinander Zeuge sein, wie Zeuge sein in und für die Welt.
 
Eines ist sicher: Es wird viel an Gebet brauchen. Beten wir
  • um Schnelle, die mutig neue Wege ausprobieren, aber auch um  Langsame, die aufmerksam bewahren, was an Gutem gewachsen ist
  • um Weitsichtige, die den Horizont nach Neuem erkunden, aber auch um Nahsichtige, die erkennen, was an Gutem nicht zertreten werden darf
  • Beten wir um Pioniere, die den Geist neu entdecken, neue Wege einschlagen, um Schatzgräber, die aus unserem Schatz der Tradition hervorholen, was gut ist und dem Leben dient - und um Lastenträger, die beide aushalten, bis der Weg deutlicher wird
Beten wir für uns: um ein neues Herz und einen neuen Geist,  ein Herz von Fleisch.
 
Sie können mir gerne dazu Ihre Gedanken mitteilen, verwenden Sie einfach das folgende Formular:
  

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